Jubiläumsprisma

23 Aug

Über das Karlsruher Stadtjubiläum wird derzeit viel diskutiert, vor allem über das Schlossareal als zentrale Feierstätte, über den multifunktionalen Pavillon und natürlich, wie immer bei Großprojekten, über das Geld. Die Meinungen gehen dabei auseinander, es gibt Befürworter und Kritiker. Und es gibt Mitarbeiter des Stadtmarketings. Hier eine kleine Auswahl der Stimmungen bei uns im Team:

 

Sommerloch

Schon wieder ist unsere Arbeit Thema in der Presse. Das Interesse freut mich, wobei man schon merkt, dass es wohl am Sommerloch liegt. Oder wieso bekommt das Thema Schlossgarten bzw. Pavillon gerade jetzt diese Aufmerksamkeit?

Seit 2 Jahren sitze ich ständig in Gremiensitzungen, bereite Power Point Präsentationen vor und schreibe Protokolle. Wir haben ein Forum Stadtjubiläum, ein Leitprojektteam, ein Kuratorium und einen Aufsichtsrat. Dass der Schlossbereich der zentrale Ort des Stadtjubiläums werden soll, wird schon seit 2010 diskutiert. Das war nie ein Geheimnis, sondern wurde immer wieder kommuniziert, vom Stadtmarketing, aber auch von Oberbürgermeister Fenrich und Frau Erste Bürgermeisterin Mergen.

Nach zwei Jahren Planungsprozess hat im Juni mit dem Gemeinderat auch das oberste demokratische Organ der Stadt befürwortet, dass der 300. Geburtstag der Stadt am Schloss gefeiert werden soll. Der Schlossgarten ist schließlich auch einer der beliebtesten Orte in der Stadt. Außerdem begann hier die Geschichte von Karlsruhe. Und trotzdem ist der Schlossgarten kein historischer Garten des Markgrafen. Hier gibt es keine eingezäunten Tulpenrabatten und „Betreten verboten“-Schilder. Spätestens mit der BUGA 1967 haben ihn sich die Bürger angeeignet und verbringen ihre Mittagspause, den Feierabend und das Wochenende auf der Wiese.

Zwei Monate nach der Entscheidung scheint das Sommerloch Grund dafür zu sein, diese in Frage zu stellen. Dabei fand die BNN am 19. April 2011 diesen Vorschlag offenbar selbst plausibel: „Fragt sich nur, wo man dann zum 300. Stadtgeburtstag die Bühnen und Zelte aufschlägt? Am besten geschieht dies rund ums Schloss; denn dort wird 2015 sicher nicht mehr gegraben. Die Innenstadt aber kann vier Jahre vorher nicht sicher als „Feierzone 2015“ eingeplant werden.“ (SeS)

Tausend und eine Idee

„Wie, das Jubiläum ist erst 2015? Was machst du da jetzt schon die ganze Zeit?“ fragt man mich in meinem Bekanntenkreis, wenn ich von meiner Arbeit erzähle. Kann ja nicht sein, dass man da drei Jahre vorher schon so beschäftigt ist. Konnte ich mir vorher ehrlich gesagt auch nicht vorstellen. Jetzt weiß ich’s:

Die großen Themen, die mit dem Jubiläum zu tun haben – die Baumaßnahmen die zum Masterplan gehören, die Siegerprojekte des Ideenwettbewerbs, für welche die Mittel schon in den Doppelhaushalt 2013/14 reingeschrieben werden müssen (der wiederum diesen Herbst gemacht wird), damit sie rechtzeitig fertig werden, die langfristigen – und oft langwierigen – Abstimmungsprozesse mit allen: den Ämtern, anderen Behörden, Bürgervereinen, Gremien und Gestaltern. Jede Woche landet rund ein halbes Dutzend Vorschläge unaufgefordert in meinem Postfach, was man alles im Jubiläumsjahr machen könnte. Da gibt es viele gute Ideen, auch mit Bezug zum Schloss: mit Licht, mit Kunst, mit Musik, mit Kindern, mit Sport… Alle zu prüfen, zu beantworten, zu bewerten. Zu bezahlen? Gute Frage! 2015 ist eben ein Thema, das viele interessiert, einbezieht und mobilisiert. Das macht die Sache interessant.

Über die Betreuung einiger Siegerideen aus dem Wettbewerb habe ich schon selber erleben dürfen, mit wie viel Phantasie, Herz und Hirn die Karlsruher ihr Jubiläum mitgestalten.

Wie wir gemeinsam findig sein müssen, um alle Ideen zu einer erfolgreichen Umsetzung zu bringen. Wie allein die Baustellen hinter so viele Aussagesätze erstmal ein Fragezeichen setzen.

Dass man es mit Projekten, die im öffentlichen Raum stattfinden, nie allen Recht machen kann, das kenne ich auch von anderswo. Dass man sich in Karlsruhe schon jetzt auf ein Ereignis in drei Jahren auf so breiter Basis einstimmt und man ganz neue Strategien lernen muss, um alles unter einen Hut zu bekommen, das lerne ich jetzt. Und das füllt die Stunden meiner Tage und die Träume meiner Nächte zur Genüge. Wehe, mich fragt dann noch einer: „Was machst du da jetzt schon die ganze Zeit?“… (AP)

Das Schlossareal als Bühne

Für mich ist das Schloss der zentrale Identitäts- und Erinnerungsort Karlsruhes. Hier wurde die Erfinderstadt Karlsruhe „erfunden“. Das Verfassungsgericht, das KIT und die Kunsthalle grenzen direkt an das Schlossareal. Und der Schlosspark ist nicht zuletzt einer der besten Orte in Karlsruhe, um in der Mittagspause oder abends gemeinsam mit Freunden zu entspannen. Das Schlossareal verbindet alles, was Karlsruhe für mich so lebens- und liebenswert macht.

Anders als das Schloss sind die vielen grundverschiedenen Aspekte Karlsruhes – die „Erfinderstadt“, die Kulturzentren, die „Residenz des Rechts“ – im Alltag jedoch nicht immer auf den ersten Blick sichtbar. Beim Festivalsommer geht es deshalb unter anderem auch darum, die Geschichte und die abstrakten Themen, die Karlsruhe ausmachen, unmittelbar erfahrbar und im Raum auf verschiedene Weise erlebbar zu machen. Die tägliche Schlossprojektion, der multifunktionale Pavillon, die Inszenierung des Zirkels sowie des Schlossdurchgangs sind deshalb zentrale Bausteine der Jubiläumsfeier. Nur der Bereich um und innerhalb des Zirkels ermöglicht es, ein Spannungsfeld zwischen der badischen Residenz und dem Innovationsstandort von Weltruf zu erzeugen.

Das Schlossareal wird für die Zeit des Festivalsommers zum Ort der Verhandlung zwischen Vergangenheit und Zukunft der Stadt. Der Eingriff in das gewohnte Bild des Karlsruher Wahrzeichens wiederholt dabei in meinen Augen unter zeitgenössischen Prämissen den Gründungsakt der Stadt. Das Schlossareal wird zu einem temporären Möglichkeitsraum, um die vielfältige Tradition der Stadt sichtbar zu machen und daraus Zukunftsfragen abzuleiten. Neben seiner Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit schafft ein Pavillon, der als „Ideenforum“, „Wissenschaftspavillon“ oder Raum für künstlerische Inszenierung genutzt wird, eine selbsterklärende Überleitung von der „erfundenen Stadt“ zur „Erfinderstadt“. Die Besucherinnen und Besucher können während des Festivalsommers eine permanente Grenzüberschreitung zwischen Vergangenheit und Zukunft entlang der räumlichen Inszenierung des Schlosses erleben. Aus meiner Sicht kann es keinen besseren Ort geben, um alle Aspekte Karlsruhes gleichzeitig zu thematisieren und durch einen temporären Eingriff eine neue Sicht auf die Stadt zu gewinnen. (^cf)

Weitere Infos zum Stadtjubiläum und FAQ: www.karlsruhe2015.de

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Eine Antwort to “Jubiläumsprisma”

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  1. Raum und Identität. Konzeptuelles zum Stadtjubiläum Karlsruhe 2015. | stattmarketing - 25. August 2012

    […] Stimmen zum Jubiläum auf dem neuen Stadtmarketeam-Blog des Karlsruher Stadtmarketings. Sharen mit:TwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste […]

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