Archive | November, 2012

Die Premiere

30 Nov

Ich gestehe, ich war ziemlich nervös und aufgeregt. Vielleicht sogar aufgeregter als unser Geschäftsführer Norbert Käthler und das obwohl er auf der 4. Social Media Night Karlsruhe einen Vortrag über unsere Social Media Aktivitäten halten sollte und nicht ich. Dieser Vortrag ist die erste Gelegenheit, unsere neue Social Media Strategie einem breiten Publikum vorzustellen. Bisher hatten wir (soweit das im Social Web überhaupt möglich ist) im „Verborgenen“ vor uns hingearbeitet. Doch nun war der richtige Zeitpunkt gekommen, hinter dem Vorhang hervorzukommen und Farbe zu bekennen. Doch wie würden die Social Media Experten Karlsruhes und der Region auf unsere Strategie reagieren? Wie würde unser Mission Statement ankommen? Würden sie uns belächeln oder anerkennend auf die Schulter klopfen?

IMG_9781Die Grundvoraussetzungen des Abends waren suboptimal. Nach einem interessanten Vortrag von Markus Besch von der IT Advantage AG über die Möglichkeiten, im Social Web Geld zu verdienen, kam Richard Gutjahr auf die Bühne. Ja genau, DER Richard Gutjahr, Netzjournalist des Jahres. Nach ihm zu sprechen ist wie… ach, eigentlich würde niemand gerne nach ihm sprechen, wenn es sich vermeiden lässt. Der Mann ist lässig, vortragserprobt und sagt solche Sachen wie „Fernsehen ist wie YouTube, nur kaputt“ oder „Ich will kein schickes fucking Studio“. Außerdem tänzelt er vergnügt vor sich hin, wenn ein Video von ihm läuft und betreib fleißig Bahn-Bashing.

IMG_9788Dann kam unser Chef.

Offen und ehrlich bekannte er gleich zu Beginn, dass er weder auf Facebook, noch auf Twitter oder irgendeinem anderen sozialen Netzwerke aktiv ist.

Die Reaktion folgte prompt:

Tweet Frederik Proß

Das konnten wir natürlich nicht auf uns sitzen lassen:Tweet KarlsruheTweets_starkes Team

Das Social Web stellt das klassische Marketing und insbesondere das Stadtmarketing vor große Herausforderungen, bietet aber auch neue Chancen. An dieser Stelle empfehle ich ein kurzes Video-Statement von Norbert Käthler. Diese Herausforderungen und Chancen haben wir bereits frühzeitig erkannt. Als eines der ersten Stadtmarketings hatten wir bereits 2010 eine Facebook Seite, waren auf Twitter und YouTube aktiv. Doch im März diesen Jahres entschieden wir uns dazu, eine komplett neue Social Media Strategie zu entwickeln und umzusetzen. Zur Unterstützung haben wir uns Frank Tentler als externen Berater mit an Bord geholt.

Wie sind wir vorgegangen?

Folie Strategie als BildWichtiger Bestandteil unserer Strategie ist das Mission Statement, das unsere Ziele im Social Web definiert und erläutert, wie wir sie erreichen wollen (siehe dazu auch den Blogbeitrag von ^dm). Die Marke als Freund, die Reputation als Erfolg. Das ist unser Credo.

Zur Umsetzung unserer Strategie war es notwendig, unsere Kommunikation zu personalisieren, denn wer unterhält sich schon gerne mit einem anonymen Social Media Team. Deshalb haben wir auch unseren StadtmarkeTeam-Blog gestartet, auf dem wir – frei und individuell – Einblick in unsere Arbeit geben und den Kürzeln hinter den Tweets und Posts ein Gesicht geben.

Ist unsere Strategie erfolgreich? Haben wir uns für den richtigen Weg entschieden?

kredDie Zahlen sagen: ja. Unsere Fan-, Follower- und Klickzahlen sind stark gestiegen. Doch wie lassen sich Reputation und Interaktion messen? Wir setzen auf das transparente Kred, das praktischer- und sinnvollerweise zwischen Influence und Outreach unterscheidet. Hier erzielen wir mit 688/6 einen sehr guten Wert, vor allem wenn man ihn mit dem Stadtmarketing des etwa gleich großen Mannheim (613/4) und dem wesentlich größeren Hamburg (769/5) vergleicht. Außerdem zeigt ein Blick auf die gesendeten und empfangenen Replies, dass bei uns Interaktion und Dialog an der Tagesordnung sind, während die Konkurrenz überwiegend Einbahnstraßenkommunikation betreibt. Doch wir ruhen uns auf den Zahlen natürlich nicht aus. Wir sind noch lange nicht am Ziel.

Belächelt oder beglückwünscht?

Das Feedback (per Twitterwall und persönlich im Anschluss) war zweigeteilt. Zum einen erhielten wir viele positiveRückmeldungen, wie die von @kontermannTweet Ruth Konter-Mannweil

Andererseits hätte das Publikum aber auch gerne mehr Insider Infos aus der Praxis und der täglichen Arbeit mit Social Media bekommen:Tweet MBesch

Doch wir standen ja im Anschluss für Fragen und Diskussionen zur Verfügung:Tweet KarlsruheTweets_Infos erster Hand

Mein persönliches Fazit des Abends:

Meine schlimmsten Befürchtungen sind nicht eingetreten: Wir wurden nicht ausgelacht, ausgebuht oder mit Thai-Suppe beworfen. Im Gegenteil: Herr Käthler konnte mit seinem Vortrag zeigen, dass Stadtmarketing Karlsruhe und Social Web zusammen gehören und dass wir ganz vorne mitspielen wollen. Und das auch Können.
^fp

Hier findet ihr alle Folien der Präsentation: http://www.slideshare.net/slideshow/embed_code/15426445

Alle Tweets zur 4. Social Media Night zum Nachlesen unter #smcka

Vorfreude auf die Weihnachtsstadt – ein jeder auf seine Weise

27 Nov

Alle Jahre wieder wird Ende November der Christkindlesmarkt und die „Stadtwerke Eiszeit“ in der Karlsruher Innenstadt eröffnet und versüßt uns die Advents- und Winterzeit. Ich wollte dieses Jahr mal von meinen lieben Teamkollegen wissen, worauf sie sich neben dem beliebten Feierabendglühwein am meisten freuen. Ein interessanter Überblick ist so entstanden, aber lest doch bitte selbst!

Sonja: Mein persönliches Highlight der Weihnachtsstadt sind die beleuchteten Straßen der Innenstadt. Vor allem nach 20.00 Uhr, wenn das Treiben der Menschen in den Geschäften nachlässt, und die Straßen ruhiger werden – dazu leise, weihnachtliche Musik, klirrende Kälte, dampfender Atem und ein paar sacht schwebende Schneeflocken. Dann kann Weihnachten kommen!

Carmen: Ich freue mich am meisten darauf, Kinder und Jugendliche völlig glücklich den Skateway um den Brunnen auf der Eisbahn entlang rasen zu sehen. Und ich finde es super, aus dem Ettlinger Tor zu treten oder von der Kaiserstraße herzukommen und auf dem Friedrichsplatz nach Einbruch der Dunkelheit in einer verzauberten Welt zu stehen, die so viele mögen, was man so hört, und zu wissen, dass das unser Projekt ist und wir uns das sooo schön ausgedacht haben 🙂

Clas: Nach gefühlt zehn Jahren endlich einmal wieder Schlit­t­­schuhfahren auf der Eisbahn.

Hendrikje: Das erste Mal mit meinen Sohn (4 Jahre) auf der Eiszeit Schlittschuhlaufen gehen, mit Pinguin!

Aaron: Ich freue mich besonders auf den Weihnachtsmarkt, mit seinen vielen kleinen Ständen. Denn mit dem Weihnachtsmarkt kommt auch die Vorfreude auf Weihnachten.

Franzi: Gemütlich Glühweintrinken auf dem Friedrichsplatz.

Sebastian: Weihnachten ist nicht so meins. Ich würde ja sagen, ich freue mich auf das Glühweintrinken. Und eigentlich steh ich auch nicht so auf Glühwein. Aber ich freu mich trotzdem darauf, mich mit Freunden und Kollegen auf den Weihnachtsmarkt zu stellen und mir von dort aus den übrigen Weihnachtsstress anzuschauen.

Elfi: Ich freu mich irre auf die Kutschfahrt, weil ich Pferde so toll finde.

Sabrina: Ich hol mir jedes Jahr zuerst einen Langos und danach gebrannte Mandeln –mmmhhh! Darauf freu ich mich immer am meisten!

Franziska: Ich freue mich am meisten auf die „Oh Tannenbaum“-Ausstellung in der HfG. Ein Weihnachtsbaum aus grünen Bierflaschen, ein Tannenbaum, der sich selbst erhängt hat, ein Kartoffelstempel in Weihnachtsbaum-Form oder ein Tannenbaum geschreddert und als Wurst verarbeitet – hier gibt es jedes Jahr wieder die verrücktesten und provokantesten Tannenbaum-Skulpturen. Diese Ausstellung ist so einzigartig und skurril, dass sie im letzten Jahr sogar in abgespeckter Version eine Welttournee durch 25 Länder unternehmen durfte. Welche Ausstellung kann das schon von sich behaupten?!

Angela: Ace Ventura – Xmas Detective
Weihnachtsmärkte erfüllen mich traditionell mit Unbehagen. Dem schweren Gefühl der Verantwortung, mit dem man als Event-Person immer ‚schwanger‘ geht, sogar wenn man in dem Moment selber nur Gast auf dem Open Air, dem Mittelalterfest, dem Markt ist. Jahrelang habe ich den recht renommierten Weihnachtsmarkt einer größeren baden-württembergischen Stadt organisiert. Ich kenne Märkte, Händler, Budentypen. Die Probleme beim Bratfett-Entsorgen. Dachplanen, die sich ständig schälen und Giebelbeleuchtung, die nicht leuchtet. Die typischen Silberschmuck-Hippies, die das halbe Jahr in Thailand wohnen, wo die Post nie ankommt, und die sich nicht an die Aufbau-Dispo halten weil ihre moribunden VW-Busse immer kurz vor Heilbronn zusammenbrechen. Habe Verträge gemacht, Verwarnungen ausgesprochen (einmal für den Verkauf von lebenden Hasen an einem Met-Stand) und mich von illegalen Rumänen, die die Klohäuschen bewachen, unfreiwillig beknien lassen mit deren Appell „bitta, Frollein, ich-e Aufenthaltsgenehmige inne Deutsland!“.

Seitdem ist mein Blick versaut, ich kann auf keinen Adventsmarkt mehr mit unvoreingenommenem Blick gehen. Aber irgendwo ertappe ich mich auch dabei, eine diebische Freude zu empfinden, diesen fremden Blick anzusetzen, wenn alle andern auf die „Mandelduft-Fassade“ hereinfallen. Der Klugscheißer in mir geht befriedigt herum und kommentiert: Die Kabelbrücke ist zu kurz, da könnte einer stolpern. Warum ist der Budenzwischenraum nicht mit einem Baum kaschiert? Ist der schon geklaut –  am zweiten Tag?? Super, dass sie es geschafft haben, trotz der neuen Glühweinpyramide die Breite der Feuerwehrdurchfahrt irgendwie einzuhalten – wie viele Buden das wohl gekostet hat… Also wie kann man den Wasseranschluss derart unkaschiert stehen lassen, das geht ja  gar nicht… Wenn die Buden-Rückwand F90 feuerfest ist, fress‘ ich einen Lebkuchen.

Auweh, der Kerzenmann ist arm dran, bei dem Gefälle… der hat bestimmt den ganzen Tag unterbaut, bis die Bude im Wasser stand. Dem kauf ich jetzt was ab. Und so komme ich doch auf meine Weihnachtseinkäufe. Bei den Händlern, die den ganzen Zirkus genau wie die Orga jedes Jahr mitmachen, vielleicht verfluchen, aber am Ende doch wieder lieben. Happy Xmas.

Christoph: Weihnachten ist jedes Jahr das gleiche. Umso mehr freue ich mich ganz besonders auf die „Oh Tannenbaum“-Ausstellung in der Hochschule für Gestaltung mit ihren erfrischenden Perspektiven auf die Weihnachtsfolklore.

Anna (gefühlt 10 Jahre alt :-)): Ich freue mich auf den Weihnachtsmann, der auf seinen Schlitten durch die Luft gesaust kommt und auf Rudolf Rotnase, dem berühmten Rentier. Ich bin schon ganz toll aufgeregt!!! 😉

Simone: Am meisten freue ich mich auf die Stadtwerke Eiszeit. Eislaufen unter freiem Himmel ist einfach toll. Aber noch toller ist, dass damit endlich das Betteln meiner kleiner Tochter ein Ende haben wird: „Mama, wann kann ich meine neuen Schlittschuhe ausprobieren! Mama, wann gehen wir Eislaufen! Mama, wann ist endlich gefroren! MAMA, WANN…!“ Nein, nicht nur der Nachwuchs zählt sehnsüchtig die Tage, bis eeeeeeeendlich die Eisfläche geöffnet ist. Das Allerbeste: In diesem Jahr werden erstmals Eislaufkurse angeboten. Da bekommen Kinder ab 3 Jahren eine kleine Einführung ins Schlittschuhlaufen und erlernen die Grundlagen des Sports. 50 Minuten lang. Haben wir natürlich gleich gebucht. Und den Aufbaukurs gleich dazu. Eislauf-Pinguine Franzi, Nicki, Nobi und wie ihr alle heißt: Adieu! Es war immer schön mit euch (und niedlich allemal), aber dieses Jahr werden Mama und Tochter nach erfolgreichem Kurs gemeinsam Runden auf der großen Eisfläche drehen. Ganz ohne Hilfsmittel. Und entspannt abdrehen, wenn es im Anfängerbereich nebenan erklingt: „Mama, wann ist endlich ein Pinguin frei! Mama, wann…“

Gesa: Die Eröffnung der Tannenbaumausstellung in der HfG!

Wie auch immer ihr eure Adventszeit mit der Karlsruher Weihnachtsstadt gestaltet, wir wünschen euch viel Freude dabei! (dm)

Der widerspenstigen Zähmung

12 Nov

Unsere Demokratie hat in den letzten Jahren ein ganzes Bestiarium aus Hörsaalbesetzern, Baumschützern und Wutbürgern hervorgebracht. Gemeinsam machen sie sich auf, die Demokratie zu demokratisieren. Viele wollen mitreden und mit entscheiden. Manch Einer wird jedoch das Gefühl nicht los, dass der Ruf nach mehr Beteiligung und damit einhergehende Formen des Protests oft fehlende Inhalte bemänteln. Das klassische Mittel der politischen Partizipation, persönliches Engagement in politischen Parteien und Vereinen, scheint jüngst etwas Sex-Appeal eingebüßt zu haben und sieht neben den Emanationen des zivilen Ungehorsams gelegentlich ziemlich alt aus. Aber die gewählten Vertreter haben ihrerseits gelernt, mit der neuen Beteiligungswut umzugehen. Beteiligung? Nur zu!

Jeder ein Bürgermeister! – Pragmatische Partizipation.
Das 3. Forum Stadtjubiläum, ein klassisches Beratungsgremium für Bürger, ist aus meiner Sicht ein Beispiel für die Wechselbeziehung von Konflikt und Konsens. Aus dem Wunsch nach individueller Teilhabe entstehen kontrovers ausgetragene Konflikte verschiedener Interessengruppen in einer Stadt (oder: der Konflikt, der Stadt „ist“). Im Zusammenspiel mit lokalen Medien können diese Konflikte eine ganz eigene Dynamik entwickeln und auf Projekte wie ein groß angelegtes Stadtjubiläum einen gewissen Rechtfertigungsdruck ausüben. Beteiligungsprozesse kanalisieren dieses Konfliktpotential und sollen es möglichst in Konsens überführen. Ein guter Beteiligungsprozess kann ein Projekt vor der Torpedierung aus verschiedenen Richtungen schützen und auf eine breitere Basis stellen. So verstanden fungiert Beteiligung weniger als Motor für die Weiterentwicklung eines Projekts, sondern eher als Stabilisator oder Stoßdämpfer. Beteiligung ist gleichsam ein Blitzableiter, um Entscheidungen zu legitimieren und daran geknüpfte Verantwortung zu delegieren. Dies gilt insbesondere für Groß-Infrastrukturprojekte – beinah jede deutsche Stadt hat ihr eigenes Beispiel – wobei jeweils der Wille des Souveräns als ultima ratio angeführt wird.

Albtraum Partizipation?
Meine Beobachtungen sind keineswegs kritisch gemeint. Denn Stringenz, Handlungsfähigkeit und Planungssicherheit sind im Interesse aller Projektverantwortlichen und in dieser Hinsicht äußerst konstruktiv. Aus Sicht der Beteiligten wird die oben geschilderte pragmatische Form der Partizipation jedoch durchaus kritisch hinterfragt. „Partizipation ist zu einer rein symbolischen Geste geworden,“ bringt Markus Miessen, Autor des etwas überspannten Merve-Bändchens Albtraum Partizipation, die Gegenposition auf den Punkt. „Gegen wirkliche Partizipation ist nichts einzuwenden. Nur geht es darum bei runden Tischen, Mitgliederbefragungen etc. meist nicht – geschweige denn darum, neue Ideen in die Welt zu setzen. Es geht vielmehr darum, Entscheidungen, die im Kern längst getroffen sind, zu legitimieren“, so Markus Miessen in einem Interview in der aktuellen brand eins.

Rituale des Halbwissens: Dilettantische Partizipation.
Markus Miessen fügt dem Bestiarium der modernen Demokratie einen weiteren abstrakten Typus hinzu, den „Cross Bencher“, die Figur des ungebetenen Störers und Außenseiters, den unbedarften Amateur. Es ist sehr billig, die sogenannte Theorie gegen die sogenannte Praxis auszuspielen und umgekehrt. Aber vermutlich sind mit den „Cross Benchern“ nicht jen Verwirrten gemeint, von denen es in jedem Plenum mindestens Eine oder Einen gibt. Indem sie als Fremdkörper wahrgenommen werden, zeigen sie deutlich die Ausrichtung eines Forums auf den einen rationalen Konsens, ohne ihn je zu gefährden. Die BEteiligungsform des Forums ist keine Plattform, auf der sich ungefragt zu Wort gemeldet werden kann, hier gibt es keine „Cross Bencher“. Im Forum geht es nicht darum, tatsächlich produktiv zu sein und „eine Stadt für alle!“ zu bauen. Miessen führt den Wunsch nach bewusst dilettantischer „Mikro-Politik“ und Fragmentierung ins Feld, die aus seiner Sicht der prästabilisierten Harmonie einer repräsentativen Mehrheit entgegensteht. Verantwortung übernehmen, Mühe und Arbeit investieren, der gute Knecht des Gemeinwesens sein? Miessens Apologie des intellektuellen Außenseiters (im Grunde eine Apologie des prekären Architektenberufs als „Fachdisziplin ohne Profession“) rückt Beteiligung in die Nähe des romantischen Bildes vom einsamen Künstler-Vagabunden jenseits aller „Kraftfelder, Machtbeziehungen und politischen Verstrickungen“. Er verklärt Partizipation zum interesselosen Streiten für das gemeinsame Beste, zu einer „parasitären und unparteilichen Form der Beratung“.

Wir gehen derweil einen Schritt weiter auf unserem Weg zum Jubiläum. Im Sommer 2013 werden die Stadtteilvertreter geladen, diesmal soll dann auch etwas entschieden werden, wie es heißt. (cf)

Wollen wir Freunde sein? Ja – Nein – Vielleicht

7 Nov

Ob beim Sport, auf einer Party, in der Schule, im Studium, bei der Arbeit oder im Urlaub, die Chance neue Freunde zu finden gibt es im Grunde überall. Aber wie finde ich neue Freunde im Internet, um es genau zu sagen auf Facebook?

Seit Juni 2010 betreue ich die Fanseite „Karlsruhe – unsere Stadt“ auf Facebook. In diesem Fall suche jetzt nicht ich neue Freunde, sondern Karlsruhe. Ich wollte von Anfang an zeigen, dass wir wirklich an echten Freunden interessiert sind. Freunde, die nicht immer unserer Meinung sind, die man auch um Rat fragen kann und mit denen man gemeinsam Karlsruhe erlebt. Hinter einer Stadt stehen Leute, die hier leben, arbeiten und einfach nur Mensch sind. Das zu vermitteln ist gar nicht mal so einfach. Denn der Absender „Stadtmarketing Karlsruhe“ wird nun mal anders wahrgenommen als der Absender „Daniela“. Einem Freund vertraue ich, aber einer Institution, Organisation oder einem Unternehmen begegne ich zuerst mit Skepsis. Man sucht den Haken oder die Bedingung, die an dieses „Followship“ geknüpft ist.

Die Methode „Mit der Tür ins Haus fallen“

Du sitzt gerade am Frühstückstisch. Es duftet nach Kaffee, dein Brötchen knuspert als du die Butter drauf streichst und die Musik passt einfach wunderbar zur Sonntagsstimmung. Es klingelt. Im Moment des Öffnens bereust du bereits, dass du nicht gefragt hast, wer eigentlich rein will. Ein Mensch, den du noch nie zuvor gesehen hast, fällt dir um den Hals, schmeißt seine Jacke in die Ecke und erklärt dir „es gibt Geschenke!“. Und schwuppdiwupp hängt im Bad ein XXL-Handtuch, an der Garderobe eine rote Lorry-Bag, XXL-Tüten sowie einige Capys. Der Kühlschrank wird mit „Karlsruhe – viel vor. viel dahinter.“ Aufkleber tapeziert und deine Kaffeetasse muss der Karlsruhe-Tasse Platz machen. Zu guter Letzt streift dir dieser Mensch ein rotes T-Shirt mit XXL-Schild auf der Brust über den Kopf, setzt sich an den Frühstückstisch, nimmt sich ein Brötchen und strahlt dich an.

Ist das nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Für mich nicht, für viele Unternehmen und Organisationen schon. Einigen Fan-Seiten auf Facebook sind vor allem möglichst hohe Fanzahlen wichtig. Da werden die Postings beworben und Fans aus dem asiatischen Raum gekauft, obwohl sie den Pinnwandeintrag nicht mal verstehen. Für mich ist das keine Option.

Und hier sind wir bei unserer Mission: Wir suchen Freunde, keine Follower! Unser Social Media Team (Franziska, Elfi und ich) saß einige Nachmittage zusammen, denn ein Mission Statement musste her, unsere Ziele im Social Web. Und die Antwort auf die Frage: Warum sollte jemand unser Freund werden?

Hier unsere Antwort:

„Weil wir Karlsruher – nein Karlsruherinnen (gender ;-)) sind. Und weil uns die Stadt, genau wie unseren Followern, am Herzen liegt. Auch wir gehen in der Mittagspause in den Schlossgarten, auch wir manövrieren täglich um die Baustellen und auch wir warten jedes Jahr gespannt auf die Bekanntgabe des Line-Ups für DAS FEST.

Wir sind gute Freunde. Nachrichten und Anfragen, die nicht beantwortet werden? Gibt es bei uns nicht. Dafür haben wir viele Tipps, die Bilder von der letzten Veranstaltung und immer die neuesten Informationen rund um unsere Stadt. Und wenn wir eine Veranstaltung empfehlen, dann nur, wenn wir sie auch selbst besuchen würden.“

Eine Freundschaft muss wachsen, Vertrauen aufgebaut werden und bestehen. Wie wäre es Karlsruhe als Freund zu haben? Ich finde, auf einen Versuch kommt es an! (dm)

Wollt ihr unser Mission Statement in voller Länge lesen? Dann klickt hier

Wir auf Facebook: Karlsruhe – unsere Stadt

Ist denn schon Weihnachten?

2 Nov

Bis ich zum Stadtmarketing Karlsruhe kam, lebte ich in einer anderen Welt.  Weihnachten war für mich ein auf Dezember beschränktes Fest, begleitet von Weihnachtsmärkten, Geschenke-Kauf-Marathons und leckeren Plätzchen und Lebkuchen. Doch meine Realität scheint eine andere zu sein als hier. Denn die Weihnachtszeit beginnt nicht im Dezember. Sie beginnt auch nicht Ende August, wenn die ersten Weihnachtsmänner ihren Weg in die Supermarktregale finden. Nein, sie beginnt im Frühjahr. Richtig gelesen: Wenn die letzten Karlsruher ihren Weihnachtsspeck abtrainiert haben und die ersten Vögel zu zwitschern beginnen, dann beginnt beim Stadtmarketing die Weihnachtszeit. Dann werden die ersten Termine für die Weihnachtsstadt auf einschlägigen Homepages eingetragen und die Diskussionen über die richtige Handhabe eines Eisstocks beginnen.

Da sich besonders im Sommer und bei gefühlten 50 Grad nicht unbedingt Weihnachtsgefühle einstellen wollen, greifen manche Kollegen zu drastischen Maßnahmen. Kleine Weihnachtsbäumchen auf den Schreibtischen mit noch kleineren Weihnachtskugeln und Spekulatius neben der Tastatur und später im Magen erfüllen ihren Zweck. Weihnachtsspeck im Sommer? Hier bekommt man ihn! Plakate zur Eiszeit zu gestalten ist so aber auch um einiges leichter. Trotzdem, muss das denn sein? Warum können wir damit nicht wenigstens bis Oktober warten? Da haben sich wenigstens die Temperaturen schon ein wenig ans Thema angepasst. Ganz einfach: Weil auch der Weihnachtsmann nicht erst ein paar Wochen vor dem Fest anfängt, Geschenke zu basteln und zu verpacken. Der gute Mann arbeitet das ganze Jahr und hat vielleicht mal im Januar ein paar Tage Urlaub. Und dann geht das Spielchen von vorne los.

Aber genauso wie der Weihnachtsmann ist beim Stadtmarketing auch niemand allein. Fast jeder darf mal am Thema Weihnachten mitwirken und sich in die richtige Stimmung bringen. Mir gelingt das am besten mit einer Weihnachts-CD. „Jingle Bells“ oder „Süßer die Glocken nie klingen“ eignen sich übrigens hervorragend, um ganz in vorweihnachtlicher Stimmung zu schwelgen. Auch wenn die FlipFlops noch die Füße kleiden. Nur bei „Last Christmas“ von Wham!, da hört der Spaß sogar bei mir auf. Trotzdem ist die Weihnachtszeit einfach die schönste Zeit des Jahres, auch gerne schon im August.