Archiv | Dezember, 2012

Der StaMa-Weihnachtsgroove

21 Dez

Nachdem die Welt heute nun doch nicht untergegangen ist – habe weder Mayas noch Außerirdische auf meinem Weg zur Arbeit getroffen – haben wir uns zum letztem Arbeitstag vor den Weihnachtsfeiertagen in gemütlicher Runde im Büro eingefunden. Bevor wir aber alle zum Geschenkeendspurtshoppen aufbrechen und die letzten Weihnachtskarten einwerfen, wollten wir euch noch einen ganz besonderen Weihnachtsgruß zukommen lassen.

Schöne Weihnachtsfeiertage euch allen!

^dm ^fp ^eh

Networking – Ein Dialog

19 Dez

Ende Oktober waren wir auf dem KulturInvest Kongress in Berlin. Für uns beide (Nicole und Sebastian) war es die erste Fortbildung während unseres Volontariats. „Dort gehen alle Kulturschaffende hin…“, „Der beste Ort um Kontakte zu knüpfen…“ – so hat man uns den Kongress beschrieben. Die Erwartungen waren also hoch!

Neben den Inhalten ist Networking das große Thema auf so einem Kongress. Unsere Erfahrungen als Networking-Laien auf einem Networking-Kongress beschreiben wir – natürlich – im Dialog.kulturinvest3

Sel: Um den frühesten Frühbucherrabatt nicht zu verpassen habe ich mich bereits im Februar zum Kongress angemeldet. Bald darauf wusste ich, in welchem Zug ich nach Berlin fahren und in welchem Hotel ich dort schlafen würde. Noch jemand aus dem Team würde mitfahren, daher wartete ich geduldig mit der Buchung… und wartete… Nägel mit Köpfen konnte ich schließlich erst am Vortag der Abreise machen, denn Kollege Schneider liebt das Spontane…

SeS: Und dann hat doch alles geklappt. Der gebuchte ICE fiel sowieso aus, denn auch die Bahn ist gerne spontan. Während sich alle anderen Teilnehmer des Kongresses in Berlin im schicken Mövenpick einquartierten, stiegen wir ein paar Hundert Meter weiter ab. Aber auch da war es schön: mit Ausblick auf ein Tiefgaragen-Entrée und Weckservice durch Staubsauger-Klänge um halb sechs am Morgen.

Sel: Wie es sich für beschäftigte Kongressteilnehmer gehört, hatten wir in Berlin kaum Zeit zur freien Verfügung. Den ersten Abend konnten wir aber gut für einen langen Spaziergang nutzen, der uns an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten vorbeiführte: Potsdamer Platz, Museumsinsel, Reichstag, Brandenburger Tor, Alexanderplatz und Rathaus, eine Aktion zum Jubiläum „775 Jahre Berlin“, Dunkin` Donuts.

kulturinvest2SeS: Wir stellten fest, dass die U-Bahn in Berlin häufig überirdisch fährt und fühlten uns gleich ganz heimisch. Irgendwie finden wir zurück ins Hotel, schlafen schnell, wenn auch nicht lange. Staubsauger-Geräusche und Kaffee-Gelüste drängen uns früh in Richtung Kongress. Heute auf der Tagesordnung: Networking für Einsteiger. Vorsichtshalber haben wir unsere 400 Visitenkarten eingesteckt. Man weiß ja nie. Am Eingang erhalten wir unsere Namensschilder. Wir sind froh, dass – im Gegensatz zu unseren Visitenkarten – nicht „Volontär“ auf dem Schild steht. Im Gang hängt ein „Contact-Board“ an der Wand, an dem alle Teilnehmer ein Fach haben, in das man seine Visitenkarte oder geheime Botschaften stecken kann. Noch sind unsere Fächer leer.

kulturinvest1Sel: Das Kontaktboard schien genau das richtige Netzwerkknüpfmedium für uns: ganz anonym kann man hunderte von Visitenkarten loswerden. Der Kongress zählt für uns als Fortbildung. Und für diese hatten wir uns viel vorgenommen: Wir wollen Anregungen zum Thema Kulturmarketing, interessante Vorträge, die wir für unsere Arbeit nutzen können und ein Netzwerk mit tollen Kontakten aufbauen. Wir dachten uns schon, dass das nicht so einfach wird…

SeS: Kurz vor einem Vortrag setzen sich Kollegen aus unserer Partnerstadt neben uns und stellen sich vor. Mit der Antwort: „Hallo“ scheint der Small-Talk zunächst beendet, und zum Glück beginnt jetzt der Vortrag. In der Pause klappt es schon besser. Sie versuchen, sich mit uns über das lukrative Geschäft der einheitlichen Tassen auf Weihnachtsmärkten zu unterhalten und über den Vorteil von Partnerstädten, die Rentiere zu verschenken haben („Finni“). Sie haben sogar Fotos dabei. Profis eben.

Das Gespräch mit einer Kulturmanagerin aus Österreich hingegen verläuft etwas einseitig, da wir ihren Dialekt kaum verstehen.

Sel: Die beste Gelegenheit der Kontaktaufnahme bietet sich am Galaabend: Bei der Preisverleihung des Kulturmarkenawards sitzen wir mit vier freundlichen Menschen an einem Tisch – leider verpassen wir den Einstieg (uns vorzustellen). Aus Langeweile verlässt ein älterer Herr irgendwann den Tisch… Eigentlich, finden wir, könnten die Leute ja auch mal mehr auf uns zu gehen! Sicher werden sie von der schicken Fliege abgeschreckt, die schief an Herrn Schneiders Hals hängt und von seiner Professionalität zeugt – schließlich trägt außer ihm und den 100 Bedienungen nur noch Prof. Dr. S. eine Fliege! Als ich dann noch meinen ersten selbstgestrickten Schal verliere, ist der Abend für uns gelaufen. Aus Frust stopfen wir unsere Taschen mit kostenlosem Panna cotta und Eis von der Häagen Dasz-Bar voll und laufen durch die Nacht zurück in unser Hotel, da wir kein Geld für ein Taxi haben.

kulturinvest4SeS: Der zweite Tag beginnt vielversprechend. Nicole hatte bereits im Vorfeld per Mail eine Nachricht bekommen, dass Frau Causales sie gerne persönlich in der Kaffeepause kennenlernen möchte. Wieso wissen wir nicht, aber auf einmal erscheint alles möglich.

Sel: Schnell entsteht ein Gespräch über Sponsoring und die damit verbundenen Probleme. Schnell ist das nette Gespräch wieder vorbei. So also geht Smalltalk mit Profis.

SeS: Am zweiten Tag läuft es. Eine junge Kulturmanagerin spricht uns an, denn: wir hatten schon beruflich miteinander zu tun. Ja – ohne es zu wissen haben wir schon längst Bekannte in der Kulturbranche. Gemeinsam witzeln wir darüber, dass der Kulturjob-Gott Prof. S. gerade von fünf jungen Frauen umzingelt wird, die networken wollen.

Sel: Wir sind unsicher: Sieht man uns an, dass wir erst am Anfang unserer beruflichen Laufbahn stehen? Sind unsere Visitenkarten weniger Wert, weil sie unsere Position „Volontär“ verrieten? Aber das scheint den anderen gar nichts auszumachen: man plaudert mit uns, stellt uns Fragen und lädt uns zu Veranstaltungen ein.kulturinvest5

Mit einem guten Gefühl und sehr gespannt, was sich aus den beiden Tagen ergeben wird, nehmen wir am Freitag leise Abschied vom Kongress, den Teilnehmern und… dem Kontaktboard! Glücklich und ein bisschen stolz holen wir die Visitenkarten raus, die andere Teilnehmer hinter unsere Namen gesteckt hatten. Daraus ergibt sich für uns allerdings die nächste Schwierigkeit: Was ist der nächste Schritt im Minenfeld Networking?

Die Entscheidung wird vertagt. Eine letzte Zigarette im Hof und wir müssen uns trennen: Sebastian würde zwei weitere Tage durch Berlin irren und ich fahre noch in der Nacht zurück nach Karlsruhe.

Fazit: Inzwischen liegt der Kongress einige Wochen zurück. Unser größter Networking-Erfolg war der Erhalt einer Folge-Mail mit der unschuldigen Frage: „Wie fanden Sie es auf dem Kongress?“.

Jetzt können wir uns auf die Inhalte der Tagung konzentrieren und die vielen Vorträge und Präsentation nochmals genauer betrachten. Ohne zu befürchten, dass plötzlich jemand mit uns spricht. Oder niemand, was ja auch blöd wäre. Networking und Kommunikation sind wichtig, aber die Inhalte müssen schließlich auch stimmen.

Vom Bürgersinn zur Stadtidentität

10 Dez

Bazon-BrockBereits nach den ersten Worten vom Referenten Prof. Bazon Brock ist klar: das wird kein Standardvortrag zum Stadtmarketing, keine verwertbare Aufzählung von Best Practise Beispielen und schon gar keine leichte Kost. Stattdessen: klare Thesen, kritische Fragen und viel Widerspruch. Stadtmarketing darf sich nicht mit der Veranstaltung von Stadtfesten und Werbeveranstaltungen begnügen. Das Ziel des Marketings ist keinesfalls, mehr Menschen in die Städte zu holen, billige Etiketten aufzukleben oder Superlative in den Vordergrund zu spielen. Das ist alles kalter Kaffee und die Vergangenheit aus der Gründungsphase des Marketings. So wie die Banken im Strudel der Finanzskandale jeden Kredit aufgebraucht haben, so werde es auch für die Marketingleute schwieriger, wenn sie sich nicht ändern.

HAmburg_bcsd bildAuf der Herbsttagung der BCSD in Hamburg war ich verantwortlich für Programm und Moderation. Mehr als 150 Zuhörer verfolgten den Vortrag und ich wusste, dass die Mehrzahl mit diesem Key Note Speaker nicht zufrieden sein wird. Zu abstrakt, zu kritisch, zu wenig praktisch anwendbar. Aber Bazon Brock, den man in Karlsruhe von der Reihe Bürger-Diplom gut kennt, ist bewusst gewählt. Er öffnete den Spannungsbogen für das Tagungsthema, das sich der künftigen Rolle des Stadtmarketings widmet. Und das liegt nach Bazon Brock keineswegs alleine in der Werbung oder der Kommunikation. Sein provokanter Vortrag mündet darin, das Stadtmarketing umzubenennen. „Agentur für die Zivilisierung von Städten“ wäre doch zielführend oder „Agentur für Bürgersinn“ – denn das Marketing ist tot!

Natürlich diskutieren wir im Vorstand des Stadtmarketingverbands schon lange darüber, dass die meisten Menschen Marketing mit Werbung verwechseln und Stadtmarketing insofern falsche Erwartungen und Assoziationen weckt. Aber die Zivilisierung von Städten erscheint uns dann doch zu anmaßend. Dabei verstehen wir uns durchaus als diejenigen, die die Stadtidentität im Fokus unserer Arbeit sehen. Und da bringt der Vortrag von Sebastian Zenker mehr Klarheit. Er forscht an der Universität Rotterdam seit Jahren über Städte und vertritt die Kernthese, dass Städte gar nicht anders können, als zu kommunizieren. Entweder durch Werbung, durch Gebäude, Sehenswürdigkeiten oder Veranstaltungen oder durch die Menschen, die über die Stadt erzählen. Das erzählte Wort ist das glaubwürdige und steht damit auch in Zukunft im Mittelpunkt des Stadtmarketings.

NKAn einem Punkt gehen die beiden Vorträge gut zusammen: Städte werden durch die Menschen zu dem, was sie sind. Bürger und ihr Bürgerstolz entscheiden darüber, an welchem Ort man sich wohlfühlt, entscheiden auch darüber, wie eine Stadt wahrgenommen wird. Das gilt nicht nur für die Kommunikation, sondern auch für die Lösung der wichtigsten Probleme unserer Städte, konkret auch für Karlsruhe. Die benötigten Fachkräfte kommen, wenn sie sich wohlfühlen, wenn sie Menschen treffen, die Ihnen erzählen, wie gut es sich hier leben lässt.

ElbphilharmonieAcht Vorträge und vier Workshops später ist die Herbsttagung in Hamburg vorbei. Wir hatten nach der Publikumsbeschimpfung durch Bazon Brock am Anfang noch einiges erlebt. Haben wahrgenommen dass Hamburg trotz seiner teuren Baustelle der Elbphilharmonie mit 300.000.000 Euro Kostenüberschreitung und vier Jahren Verzug immer noch stolz auf das Gebäude ist. Ich denke, Stolz, das wäre doch ein Ansatz für die Kombilösung. Und wir haben es wieder geschafft, die gesammelten Manager der deutschen Stadtmarketingszene zum Nachdenken zu bewegen. Muss ich im Stadtmarketing vielleicht doch mehr über Qualität nachdenken, mehr über Inhalte und weniger über die Verpackung? Muss ich die Bürger stärker in den Mittelpunkt des Marketings rücken? Doch das wird Thema der nächsten Tagung in Münster sein, wenn wir uns dann mit dem Thema Stadtidentität beschäftigen. Selbstverständlich ist das auch die Aufgabe für uns in Karlsruhe.

Ein Bericht von Norbert Käthler, Geschäftsführer der Stadtmarketing Karlsruhe GmbH und Vorstandsmitglied der BCSD.