Von der Kunst und anderen Insekten

18 Jan

IMG_4632Es geht um Insekten und es geht um Geräusche. Mit dieser etwas diffusen Vorstellung machten wir uns gestern Nachmittag auf ins Naturkundemuseum Karlsruhe. 16.30 Uhr, jetzt aber schnell bevor um 17 Uhr das Museum schließt. Wohl vertraut waren uns bereits die drei Installationsbildschirme an der Außenfassade. Die grünen Monitore mit Insekten in Großaufnahme ergänzten im Dezember bereits das Lichtkonzept der Weihnachtsstadt Karlsruhe auf dem Friedrichsplatz. Jetzt sollten wir also endlich erfahren, was sich dahinter verbirgt. Ein schnelles Erinnerungsfoto im Schnee und los ging´s.

IMG_4646Erster Stock und dann links oder rechts? Rechts standen zwar zahlreiche hellgrüne Ausstellungskästen mit Insektenimitaten und eine Ameisenkolonie, aber wir waren auf der Suche nach richtigen, lebenden Rieseninsekten. Also links. Im Raum links war eine Ausstellung gerade im Inbegriff ab- oder aufgebaut zu werden – also auch nicht unser Ziel. Verdammt wo waren die Insekten und die Geräusche? Die freundliche Museumswärterin wies uns den richtigen Weg mit folgendem Hinweis:„Der Diaprojektor der roten Sonne ist seit heute leider kaputt.“ Fragende Blicke unsererseits. „Nur, damit Sie sich nicht wundern.“ Wundern? Alles klar.

Da stehen wir nun, vor einer mit schwarzen Leinentüchern verhängten großen Tür. Ein dunkler Gang wartet auf uns. Elfi wagt den ersten Schritt.

IMG_4635Ein fast leerer Raum, licht- und schalldicht. In der Mitte hängen drei Leinwände, auf denen ein Insektenfilm läuft. Wir sehen Bänke und setzen uns erst einmal hin. Wir sind irritiert. Von dem Film, der stark vergrößerte Insekten in Zeitlupe zeigt und von den Geräuschen, die erstaunlich laut und futuristisch sind. Laut Flyer handelt es sich hierbei um ein Video-Tryptichon des Künstlerpaares <SA/JO>. Okay, und wo sind jetzt die Insekten? Wir begeben uns auf die Suche und landen in einem zweiten, komplett abgedunkelten Raum. In der Mitte steht eine Glasvitrine mit einem (toten) blauen Schmetterling darin. Wir ahnen: dieser Raum wirkt wohl erst richtig mit der roten Sonne, die aber ja leider kaputt war. Hm. Ein kurzer Rundgang im Dunkeln zeigt schnell: es gibt keinen weiteren Raum und auch keine lebenden Insekten. Also wieder zurück zum Video-Tryptichon. Unsere Irritation hält an. Wir hatten das Ganze offensichtlich falsch verstanden. 2013-01-17 16 27 43

„Solar Sonical Insects #2“ ist nicht etwa eine Naturkunde-Insekten-Ausstellung mit Geräuschen, sondern eine begehbare Mikroklang-Mikrofilm-Ereignis-Sphäre, wie uns der Flyer mitteilt, also eine Kunstinstallation, wie man sie eher im ZKM vermutet hätte. Uns wird klar: wir hätten den Flyer vorher lesen sollen. Wir setzen uns erst einmal wieder und lassen den Raum auf uns wirken. 15 Minuten lang. Und langsam dämmert uns, was uns die Künstler sagen möchten. Die Insektenfilme in Zeitlupe, die akustisch verlangsamten Geräusche, der bewegungsunfähige Schmetterling: es geht um Entschleunigung. Deshalb ist der Raum abgedunkelt und deshalb ist die Installation auch abseits vom Trubel aufgebaut. Hier soll man abschalten, zur Ruhe kommen und lernen, auch scheinbar unsichtbare und unhörbare Dinge wahrzunehmen. „Elementarisierende Entschleunigung“ nennt das der Flyer.

IMG_4644Völlig mit uns im Reinen und tiefenentspannt beschließen wir, noch die anderen attraktiven Räume des Naturkundemuseums mit lebenden und sich bewegenden Exponaten aufzusuchen. Doch die Zeit drängt, schließlich ist es schon 16.45 Uhr, nur noch 15 Minuten, bis die Pforten wieder schließen. Kaum haben wir die schwarzen Leinentücher hinter uns gelassen (auch diesmal wagt Elfi den ersten Schritt zurück, zurück in das hektische Leben), sind wir in der Realität angekommen. Es ist hell, es ist laut und ganz viele Menschen um uns herum. Wir gehen ins Reich der Fische. Und was müssen wir da sehen? Fische führen auch ein entschleunigtes Leben, ganz ohne Geräusche. Aquarien zu verstehen ist aber auch um einiges einfacher als eine Kunstinstallation zu begreifen. Jeder Besucher wird sie auf verschiedene Art und Weise interpretieren. Und jeden Besucher entschleunigt sie unterschiedlich. Zufrieden machen wir uns auf den Weg zurück ins Büro, diesmal aber langsam und…. entschleunigt. Eins ist uns jetzt jedenfalls klar: die Ausstellung „Solar. Sonical. Insects“ kann man nicht erklären, man muss sie erleben.

^eh ^dm ^fp

Die Ausstellung „Solar. Sonical. Insects“ im Naturkundemuseum Karlsruhe läuft noch bis zum 27. Januar 2013.

Aktuell könnt ihr auf Facebook Karlsruhe – unsere Stadt Karten für die Ausstellung gewinnen.

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