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Heut is so a schöner Tag …

27 Jun
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Ausblick vom Schlossturm

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Dani auf dem Schlossturm

Gerade noch vor der Bühne getanzt, bei „lecker to go“ eine Karottenflöte gebastelt, die Draisinenfans rufen hören und den Schlossturm explodieren sehen und schon ist das Stadtgeburtstagswochenende wieder vorbei. So viele Eindrücke, große und kleine Geschichten bei „Gott sei Dank!“ traumhaftschönem Sommerwetter, dass die Reizüberflutung – ich meine das durchaus positiv – vier Tage später so langsam abebbt. Zwei Momente sind mir besonders in Erinnerung geblieben: Das kunterbunte Treiben im Schlossgarten und auf dem Schlossplatz vom Schlossturm aus beobachten, ein bisschen entrückt die Atmosphäre genießen. Am Sonntagabend saßen noch einige aus dem Team vorm Produktionsbüro zusammen und tauschten Erlebnisse aus, als wir noch schnell den Radachter vom Draisinenrennenschauplatz holen sollten. Gesagt getan, zwei Runden um den EFFEKTE-Dome und ums Schloss später fuhren wir lachend, müde und glücklich in den Backstagebereich.^dm

Meinen Kolleginnen und Kollegen hat es offensichtlich auch gefallen, hier ein paar Stimmen aus dem Team:

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Hendrikje beim Autokorso

Christoph: Da es mein erster Stadtgeburtstag war, fand ich die herrliche Kulisse des Karlsruher Schlosses besonders beeindruckend. Egal ob für die barocke Inszenierung des „Schlossturmexperiments“ oder bei der Aufstellung der 200 Oldtimer auf dem symmetrischen Schlossplatz bei „Tribut an Carl Benz“, das Schloss war einfach der perfekte Veranstaltungsort für den Stadtgeburtstag.

Angela: Mein Stadtgeburtstag in Zahlen: 13 Stunden am Infostand verbracht, 4 mal täglich das leckere Crew-Catering besucht, mit 3 Freunden die „Show des Scheiterns“ genossen, 2 neue Cocktails in der Erfindernacht probiert, 1 Blase gelaufen von zu engem Schuhwerk und zu weiten Wegen und je ne regrette rien (also 0) dabei gewesen zu sein!

Norbert Käthler: „Beim Stadtgeburtstag hat die Stadt Geburtstag gefeiert. Und das ist das tolle – alle haben mitgemacht, vorbereitet, organisiert und dafür gesorgt, dass es ein unvergessliches Fest wurde. Und für mich war ein ganz besonderer Moment, als eine der zentralen Erfindungen eines Karlsruhers, der Benz-Patentmotorwagen, an die Stadt übergeben wurde.“

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Christoph und Nadine genießen die Sonne

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Hendrikje, Judith und Domi bei der Erfindernacht

Verena: Am Stadtgeburtstags-Sonntag besuchte mich meine Familie in Karlsruhe. Ich freue mich, dass sie dabei waren und gesehen haben, woran wir hier monatelang gearbeitet haben. Es gab so viel zu sehen und doch waren wir zufällig gerade dann auf dem Schlossvorplatz, als der Drais-Pokal verliehen wurde. Die Rede von OB Mentrup dazu stammte im Entwurf aus meiner Feder.

Kerstin: Die Erfindernacht entpuppte sich als gelungenes Kostümexperiment. Nicht nur Diesel, Tesla oder Volta und Melitta Benz habe ich getroffen, auch die experimentellen Kostüme der Schüler und Studenten und die Gäste in erfinderischen Hüte und Frisuren, die am Abend im Putzmacherlabor und bei den Pimp you up Friseuren entstanden sind, haben den Abend atmosphärisch gestaltet. „Molekularia“ die Tanzperformance von Jazzaret hat viele von uns verzaubert und mit einem Erfindercocktail in der Hand haben wir zu Alex Electro-Swing auf der Loungeterrasse getanzt bis in die Puppen in super Stimmung.

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Kerstin als Erfinderin der Currywurst

Franziska: Bereits Monate vor dem Stadtgeburtstag ist bei uns in der Presseabteilung die Kommunikationsmaschinerie angelaufen, denn was nützt der schönste Stadtgeburtstag, wenn niemand davon weiß? So früh vor der Veranstaltung ist das mit der Kommunikation jedoch eine knifflige Sache, schließlich stehen zu diesem Zeitpunkt viele Details noch gar nicht fest und gerade bei neuen Veranstaltungen hat man häufig nur eine vage Vorstellung davon, was da denn nun wirklich passieren wird. Beim Stadtgeburtstag habe ich deshalb unsere „Prophezeiungen“ mit der Wirklichkeit verglichen und war erstaunt, wie richtig wir lagen. Sogar beim Domino-EFFEKT?!, der im Vorfeld selbst unter Zuhilfenahme des Storyboards nun wirklich nicht leicht in Worte zu fassen war.

Carolin: Es ist geschafft! Die neuen Draisinen sind eingefahren, der Schlossturm ist nicht abgebrannt, der OB ist wieder aufgetaucht, die Pferdchen vom Domino-Effekt sind nicht verhungert und die Presse hat alle immer auf dem Laufenden gehalten. Besser kann ein Karlsruher Stadtgeburtstag nicht ablaufen! Oder doch? Wir werden es 2015 sehen!

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Angela und Judith im Kostüm

Carmen: Viele, viele entspannte Besucher, zufriedene Partner und Wahnsinnswetter, ich empfand den Stadtgeburtstag als vollen Erfolg. Der Schlossplatz mit dem EFFEKTE-Dome sowie den Bands von der Fete de la musique hat mir besonders gut gefallen, denn mit dem ersten Ton sammelten sich schon sofort die Zuhörer und waren einfach happy, in der Sonne zu sitzen und die Atmosphäre zu genießen. So muss es sein…

Fiene: Mir hat der diesjährige Stadtgeburtstag richtig gut gefallen. Es gab verteilt über das Wochenende eine Menge zu entdecken und auszuprobieren, sei es beim Draisinenrennen, im Bewegungslabor oder beim Tribut an Carl Benz mit dem tollen Oldtimer-Korso. Da war für jeden was dabei.  Mein persönliches Highlight war allerdings die Inszenierung des Schlossturms. Der Mix aus Feuerwerk, Lichtshow und Musik war wirklich etwas ganz besonderes.  Meine Vorfreude auf das große Jubiläum 2015 ist definitiv geweckt J.

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Verena an der Bar bei der Electro-Swing-Party

Judith: Am meisten Spaß am gesamten Stadtgeburtstagswochenende hat mir die DJ-Party der Erfindernacht gemacht. Ich saß auf der wunderbaren Schlossterrasse, auf ziemlich coolen Loungemöbeln, mit einem experimentellen Cocktail in der Hand, der wahnsinnig guten Musik von DJ Alex Ryba im Ohr und zwischen vielen super gut gelaunten Gästen der Erfindernacht. Was für ein Abend. Danke, danke, danke!

Frank: Philip Geist hat mit seinem explodierenden Schlossturm eine tolle Performance hingelegt. Tolle Pyro-Effekte haben mir wundervolle Bilder beschert. Nostalgisch und heiter war auch die Oldtimer-Rallye. Ein Spaß für die Familie und ich durfte sogar in einem Auto mitfahren. Gute Laune pur!

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Warum treten, wenn man auch laufen kann?

21 Mrz

Eine Kochmaschine, die jede Hausfrau problemlos ersetzt, ein Kühlsystem für Branntwein und ein neuartiges Tabakrohr. Nur drei von mindestens 16 bahnbrechenden Innovationen des genialen Karlsruher Erfinders Karl Freiherr Drais. Vom 21. bis 23. Juni 2013 huldigt Karlsruhe mit dem Laufradduell wieder dem Erfinder jenes Stangengeräts mit zwei Rädern, der Draisine. 1817 zuerst von Drais aus Holz konstruiert, revolutionierte sie die moderne Mobilität und wird inzwischen gepimpt mit Raumfahrttechnologie der Hochschule Karlsruhe  – Technik und Wirtschaft.

Mögen die Wettkämpfe beginnen

Dieses Jahr gibt es nicht nur das beliebte „Drais Open“ der Schulen am Freitag (21.06.), sondern auch einen Ladies und Men’s Cup sowie  ein Rennen der Sportvereine und Fitnessstudios am Samstag (22.06.). Der Karlsruher Klassiker „Badische Meile“, 8,888 Kilometer Draisinenrennen am Samstagnachmittag, darf natürlich auch nicht fehlen. Neu ist das Teenie-Rennen am Sonntag, mit dem das traditionelle Stadtteilrennen, der Karlsruher Palio, ergänzt wird. Höhepunkt und Abschluss ist das Promirennen mit vielen Überraschungsgästen am Sonntagnachmittag.

Dieses Jahr wird es erstmals mit einer Roadshow auch auf zahlreichen Stadtteilfesten und an ausgewählten Terminen in Jugendzentren in den Stadtteilen die Möglichkeit geben, die Draisine auszuprobieren. Natürlich kann eine Woche vor dem Rennen auch wieder der Draisinenführerschein auf der Jugendverkehrsschule am Engländerplatz erworben werden. (^cf)

Genaue Infos gibt’s unter www.stadtgeburtstag-karlsruhe.de .

Anmeldungen an draisinenrennen@stadtmarketing-karlsruhe.de

Der widerspenstigen Zähmung

12 Nov

Unsere Demokratie hat in den letzten Jahren ein ganzes Bestiarium aus Hörsaalbesetzern, Baumschützern und Wutbürgern hervorgebracht. Gemeinsam machen sie sich auf, die Demokratie zu demokratisieren. Viele wollen mitreden und mit entscheiden. Manch Einer wird jedoch das Gefühl nicht los, dass der Ruf nach mehr Beteiligung und damit einhergehende Formen des Protests oft fehlende Inhalte bemänteln. Das klassische Mittel der politischen Partizipation, persönliches Engagement in politischen Parteien und Vereinen, scheint jüngst etwas Sex-Appeal eingebüßt zu haben und sieht neben den Emanationen des zivilen Ungehorsams gelegentlich ziemlich alt aus. Aber die gewählten Vertreter haben ihrerseits gelernt, mit der neuen Beteiligungswut umzugehen. Beteiligung? Nur zu!

Jeder ein Bürgermeister! – Pragmatische Partizipation.
Das 3. Forum Stadtjubiläum, ein klassisches Beratungsgremium für Bürger, ist aus meiner Sicht ein Beispiel für die Wechselbeziehung von Konflikt und Konsens. Aus dem Wunsch nach individueller Teilhabe entstehen kontrovers ausgetragene Konflikte verschiedener Interessengruppen in einer Stadt (oder: der Konflikt, der Stadt „ist“). Im Zusammenspiel mit lokalen Medien können diese Konflikte eine ganz eigene Dynamik entwickeln und auf Projekte wie ein groß angelegtes Stadtjubiläum einen gewissen Rechtfertigungsdruck ausüben. Beteiligungsprozesse kanalisieren dieses Konfliktpotential und sollen es möglichst in Konsens überführen. Ein guter Beteiligungsprozess kann ein Projekt vor der Torpedierung aus verschiedenen Richtungen schützen und auf eine breitere Basis stellen. So verstanden fungiert Beteiligung weniger als Motor für die Weiterentwicklung eines Projekts, sondern eher als Stabilisator oder Stoßdämpfer. Beteiligung ist gleichsam ein Blitzableiter, um Entscheidungen zu legitimieren und daran geknüpfte Verantwortung zu delegieren. Dies gilt insbesondere für Groß-Infrastrukturprojekte – beinah jede deutsche Stadt hat ihr eigenes Beispiel – wobei jeweils der Wille des Souveräns als ultima ratio angeführt wird.

Albtraum Partizipation?
Meine Beobachtungen sind keineswegs kritisch gemeint. Denn Stringenz, Handlungsfähigkeit und Planungssicherheit sind im Interesse aller Projektverantwortlichen und in dieser Hinsicht äußerst konstruktiv. Aus Sicht der Beteiligten wird die oben geschilderte pragmatische Form der Partizipation jedoch durchaus kritisch hinterfragt. „Partizipation ist zu einer rein symbolischen Geste geworden,“ bringt Markus Miessen, Autor des etwas überspannten Merve-Bändchens Albtraum Partizipation, die Gegenposition auf den Punkt. „Gegen wirkliche Partizipation ist nichts einzuwenden. Nur geht es darum bei runden Tischen, Mitgliederbefragungen etc. meist nicht – geschweige denn darum, neue Ideen in die Welt zu setzen. Es geht vielmehr darum, Entscheidungen, die im Kern längst getroffen sind, zu legitimieren“, so Markus Miessen in einem Interview in der aktuellen brand eins.

Rituale des Halbwissens: Dilettantische Partizipation.
Markus Miessen fügt dem Bestiarium der modernen Demokratie einen weiteren abstrakten Typus hinzu, den „Cross Bencher“, die Figur des ungebetenen Störers und Außenseiters, den unbedarften Amateur. Es ist sehr billig, die sogenannte Theorie gegen die sogenannte Praxis auszuspielen und umgekehrt. Aber vermutlich sind mit den „Cross Benchern“ nicht jen Verwirrten gemeint, von denen es in jedem Plenum mindestens Eine oder Einen gibt. Indem sie als Fremdkörper wahrgenommen werden, zeigen sie deutlich die Ausrichtung eines Forums auf den einen rationalen Konsens, ohne ihn je zu gefährden. Die BEteiligungsform des Forums ist keine Plattform, auf der sich ungefragt zu Wort gemeldet werden kann, hier gibt es keine „Cross Bencher“. Im Forum geht es nicht darum, tatsächlich produktiv zu sein und „eine Stadt für alle!“ zu bauen. Miessen führt den Wunsch nach bewusst dilettantischer „Mikro-Politik“ und Fragmentierung ins Feld, die aus seiner Sicht der prästabilisierten Harmonie einer repräsentativen Mehrheit entgegensteht. Verantwortung übernehmen, Mühe und Arbeit investieren, der gute Knecht des Gemeinwesens sein? Miessens Apologie des intellektuellen Außenseiters (im Grunde eine Apologie des prekären Architektenberufs als „Fachdisziplin ohne Profession“) rückt Beteiligung in die Nähe des romantischen Bildes vom einsamen Künstler-Vagabunden jenseits aller „Kraftfelder, Machtbeziehungen und politischen Verstrickungen“. Er verklärt Partizipation zum interesselosen Streiten für das gemeinsame Beste, zu einer „parasitären und unparteilichen Form der Beratung“.

Wir gehen derweil einen Schritt weiter auf unserem Weg zum Jubiläum. Im Sommer 2013 werden die Stadtteilvertreter geladen, diesmal soll dann auch etwas entschieden werden, wie es heißt. (cf)

Jubiläumsprisma

23 Aug

Über das Karlsruher Stadtjubiläum wird derzeit viel diskutiert, vor allem über das Schlossareal als zentrale Feierstätte, über den multifunktionalen Pavillon und natürlich, wie immer bei Großprojekten, über das Geld. Die Meinungen gehen dabei auseinander, es gibt Befürworter und Kritiker. Und es gibt Mitarbeiter des Stadtmarketings. Hier eine kleine Auswahl der Stimmungen bei uns im Team:

 

Sommerloch

Schon wieder ist unsere Arbeit Thema in der Presse. Das Interesse freut mich, wobei man schon merkt, dass es wohl am Sommerloch liegt. Oder wieso bekommt das Thema Schlossgarten bzw. Pavillon gerade jetzt diese Aufmerksamkeit?

Seit 2 Jahren sitze ich ständig in Gremiensitzungen, bereite Power Point Präsentationen vor und schreibe Protokolle. Wir haben ein Forum Stadtjubiläum, ein Leitprojektteam, ein Kuratorium und einen Aufsichtsrat. Dass der Schlossbereich der zentrale Ort des Stadtjubiläums werden soll, wird schon seit 2010 diskutiert. Das war nie ein Geheimnis, sondern wurde immer wieder kommuniziert, vom Stadtmarketing, aber auch von Oberbürgermeister Fenrich und Frau Erste Bürgermeisterin Mergen.

Nach zwei Jahren Planungsprozess hat im Juni mit dem Gemeinderat auch das oberste demokratische Organ der Stadt befürwortet, dass der 300. Geburtstag der Stadt am Schloss gefeiert werden soll. Der Schlossgarten ist schließlich auch einer der beliebtesten Orte in der Stadt. Außerdem begann hier die Geschichte von Karlsruhe. Und trotzdem ist der Schlossgarten kein historischer Garten des Markgrafen. Hier gibt es keine eingezäunten Tulpenrabatten und „Betreten verboten“-Schilder. Spätestens mit der BUGA 1967 haben ihn sich die Bürger angeeignet und verbringen ihre Mittagspause, den Feierabend und das Wochenende auf der Wiese.

Zwei Monate nach der Entscheidung scheint das Sommerloch Grund dafür zu sein, diese in Frage zu stellen. Dabei fand die BNN am 19. April 2011 diesen Vorschlag offenbar selbst plausibel: „Fragt sich nur, wo man dann zum 300. Stadtgeburtstag die Bühnen und Zelte aufschlägt? Am besten geschieht dies rund ums Schloss; denn dort wird 2015 sicher nicht mehr gegraben. Die Innenstadt aber kann vier Jahre vorher nicht sicher als „Feierzone 2015“ eingeplant werden.“ (SeS)

Tausend und eine Idee

„Wie, das Jubiläum ist erst 2015? Was machst du da jetzt schon die ganze Zeit?“ fragt man mich in meinem Bekanntenkreis, wenn ich von meiner Arbeit erzähle. Kann ja nicht sein, dass man da drei Jahre vorher schon so beschäftigt ist. Konnte ich mir vorher ehrlich gesagt auch nicht vorstellen. Jetzt weiß ich’s:

Die großen Themen, die mit dem Jubiläum zu tun haben – die Baumaßnahmen die zum Masterplan gehören, die Siegerprojekte des Ideenwettbewerbs, für welche die Mittel schon in den Doppelhaushalt 2013/14 reingeschrieben werden müssen (der wiederum diesen Herbst gemacht wird), damit sie rechtzeitig fertig werden, die langfristigen – und oft langwierigen – Abstimmungsprozesse mit allen: den Ämtern, anderen Behörden, Bürgervereinen, Gremien und Gestaltern. Jede Woche landet rund ein halbes Dutzend Vorschläge unaufgefordert in meinem Postfach, was man alles im Jubiläumsjahr machen könnte. Da gibt es viele gute Ideen, auch mit Bezug zum Schloss: mit Licht, mit Kunst, mit Musik, mit Kindern, mit Sport… Alle zu prüfen, zu beantworten, zu bewerten. Zu bezahlen? Gute Frage! 2015 ist eben ein Thema, das viele interessiert, einbezieht und mobilisiert. Das macht die Sache interessant.

Über die Betreuung einiger Siegerideen aus dem Wettbewerb habe ich schon selber erleben dürfen, mit wie viel Phantasie, Herz und Hirn die Karlsruher ihr Jubiläum mitgestalten.

Wie wir gemeinsam findig sein müssen, um alle Ideen zu einer erfolgreichen Umsetzung zu bringen. Wie allein die Baustellen hinter so viele Aussagesätze erstmal ein Fragezeichen setzen.

Dass man es mit Projekten, die im öffentlichen Raum stattfinden, nie allen Recht machen kann, das kenne ich auch von anderswo. Dass man sich in Karlsruhe schon jetzt auf ein Ereignis in drei Jahren auf so breiter Basis einstimmt und man ganz neue Strategien lernen muss, um alles unter einen Hut zu bekommen, das lerne ich jetzt. Und das füllt die Stunden meiner Tage und die Träume meiner Nächte zur Genüge. Wehe, mich fragt dann noch einer: „Was machst du da jetzt schon die ganze Zeit?“… (AP)

Das Schlossareal als Bühne

Für mich ist das Schloss der zentrale Identitäts- und Erinnerungsort Karlsruhes. Hier wurde die Erfinderstadt Karlsruhe „erfunden“. Das Verfassungsgericht, das KIT und die Kunsthalle grenzen direkt an das Schlossareal. Und der Schlosspark ist nicht zuletzt einer der besten Orte in Karlsruhe, um in der Mittagspause oder abends gemeinsam mit Freunden zu entspannen. Das Schlossareal verbindet alles, was Karlsruhe für mich so lebens- und liebenswert macht.

Anders als das Schloss sind die vielen grundverschiedenen Aspekte Karlsruhes – die „Erfinderstadt“, die Kulturzentren, die „Residenz des Rechts“ – im Alltag jedoch nicht immer auf den ersten Blick sichtbar. Beim Festivalsommer geht es deshalb unter anderem auch darum, die Geschichte und die abstrakten Themen, die Karlsruhe ausmachen, unmittelbar erfahrbar und im Raum auf verschiedene Weise erlebbar zu machen. Die tägliche Schlossprojektion, der multifunktionale Pavillon, die Inszenierung des Zirkels sowie des Schlossdurchgangs sind deshalb zentrale Bausteine der Jubiläumsfeier. Nur der Bereich um und innerhalb des Zirkels ermöglicht es, ein Spannungsfeld zwischen der badischen Residenz und dem Innovationsstandort von Weltruf zu erzeugen.

Das Schlossareal wird für die Zeit des Festivalsommers zum Ort der Verhandlung zwischen Vergangenheit und Zukunft der Stadt. Der Eingriff in das gewohnte Bild des Karlsruher Wahrzeichens wiederholt dabei in meinen Augen unter zeitgenössischen Prämissen den Gründungsakt der Stadt. Das Schlossareal wird zu einem temporären Möglichkeitsraum, um die vielfältige Tradition der Stadt sichtbar zu machen und daraus Zukunftsfragen abzuleiten. Neben seiner Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit schafft ein Pavillon, der als „Ideenforum“, „Wissenschaftspavillon“ oder Raum für künstlerische Inszenierung genutzt wird, eine selbsterklärende Überleitung von der „erfundenen Stadt“ zur „Erfinderstadt“. Die Besucherinnen und Besucher können während des Festivalsommers eine permanente Grenzüberschreitung zwischen Vergangenheit und Zukunft entlang der räumlichen Inszenierung des Schlosses erleben. Aus meiner Sicht kann es keinen besseren Ort geben, um alle Aspekte Karlsruhes gleichzeitig zu thematisieren und durch einen temporären Eingriff eine neue Sicht auf die Stadt zu gewinnen. (^cf)

Weitere Infos zum Stadtjubiläum und FAQ: www.karlsruhe2015.de

Web-Wochenende mit AppArtAward, BarCamp & Facebook-Stück

27 Jul

13. bis 15. Juli: Zweites BarCamp in Karlsruhe. Den vielen persönlichen Eindrücken, zahlreichen Augenzeugenberichten und Zusammenfassungen einzelner Sessions möchte ich keine weiteren hinzufügen. Für mich ist besonders bemerkenswert, dass sich das BarCamp mit dem AppArtAward des Karlsruher Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) und dem Facebook-Stück „Gesichtsbuch“ am Jungen Staatstheater zu einem ganzen Web-Wochenende fügte. So entstand – vermutlich unbeabsichtigt von den jeweiligen Organisatoren – ein Parcours, der die Einflüsse des Webs auf das kulturelle Leben der Stadt in ihrer ganzen Bandbreite sichtbar macht.

1. Session. Freitag: Portrait des Künstlers als gemeinschaftsbildender Nerd.
Wenn das ZKM zu einer Abendveranstaltung lädt, kann man sicher sein, dass man etwas geboten bekommt. Denn hier wird Geschichte gemacht. Stephan Schwingelers Überlegungen zur Geschichte der „Game Art“ verdeutlichen, was leider immer noch viele nicht wissen: Das ZKM ist vor allem ein forschendes Archiv und damit – so seltsam das klingt – einer der zentralen Erinnerungs- und Sinnstiftungsorte der noch jungen digitalen Kultur. Vor einem Jahr hat das ZKM sich deshalb die Freiheit genommen, kreativer Software für mobile Endgeräte (kurz: Apps) den institutionellen Ritterschlag zu erteilen. Seitdem wird jährlich gemeinsam mit den Größen der lokalen IT-Branche der „AppArtAward“ verliehen.

Adel verpflichtet. Deshalb durfte Tim Pritlove mit seiner Keynote die gedankliche Matrix für das ganze Web-Wochenende liefern: Software als Kunst – Kunst als Software. Künstler und Programmierer haben laut Pritlove mindestens eins gemeinsam: Technikverständnis. Das Wissen über Möglichkeiten und Grenzen des (jeweiligen) Codes ist die Grundlage für die Konstruktion von möglichst selbsterklärenden Systemen – entweder Software oder Kunstwerken. Software und Kunstwerke sind demnach eine Art gut designte Bauklötze: Sie laden zum Spielen ein, erst allein, dann gemeinsam, es finden sich unvorhergesehene Kombinationen, schließlich bildet sich eine ganze Gemeinschaft der Spielenden.
Künstler und Programmierer schaffen in diesem Sinne Plattformen, indem sie den Kontrollverlust über einzelne Module zulassen und damit einen Spielraum schaffen, in dem man sich selbst finden, Teil des Ganzen werden und die Plattform als solche weiter entwickeln kann. So entstehen möglicherweise neue Formen der Gemeinschaft, von denen man vorher noch nichts wusste.

2. Session. Samstag: Campen im TechnologiePark.

Die gelebte Form einer solchen ‚Vergemeinschaftung‘ um Software ist das Karlsruher BarCamp. Die kostenlose Infrastruktur von OpenSource und sozialen Netzwerken wird mit den kostenlos zu nutzenden Räumlichkeiten des provisorisch aufgeschlagenen Camps getauscht. Natürlich dank der gleichen IT-Unternehmen, die am Abend zuvor auch beim AppArtAward die Preise stifteten. Adel verpflichtet. Kontrollverlust ist Programm. Hier mag man fast an die selbstregulierende Kraft der Basisdemokratie glauben. Gleich einer Agora versammeln sich die Camper zu Beginn in einem Plenum, und wer mag, stellt ein Thema zur Abstimmung, das bei Interesse nachher in kleinerer Runde diskutiert wird – auch Session genannt. „Camp“ bezeichnet damit nicht nur den Ort, sondern die Bewusstseinshaltung, Stimmung, oder den state of mind des „campens“: „Jeder ist ein Du“ – „keine Touristen!“. Melde dich an und du wirst aufgenommen, bist Teil dieser provisorischen Gemeinschaft, die aber nur funktioniert, wenn du dich wiederum selber einbringst und sie damit am Leben hältst. Historisch gesehen scheint der „Camp“-Gedanke für die vernetzte Welt des 21. Jahrhunderts das zu sein, was die Jugendbewegung des frühen 20. Jahrhunderts für die Industrialisierung war.

 

3. Session. Sonntag: Die Digital Natives.

Ein anderes Bild bietet sich, geht man direkt vom „Camp“ ins „Junge“ Staatstheater. Dort läuft gerade „Gesichtsbuch“ – das Stück über das McDonalds unter den sozialen Netzwerken. Ein Ziel hat das Experiment schon vor Beginn erreicht. Anders als sonst drängen sich die Menschen vor der Kasse. Ich darf froh sein, noch ein Ticket ergattert zu haben und muss schließlich gemeinschaftlich zusammenrücken, damit auch die Außenvorgebliebenen noch in den Genuss des wirklich gut inszenierten Stückes kommen. Das Theater spricht endlich wieder die Sprache seiner Zielgruppe, möchte man meinen. Die Zielgruppe (auf der Bühne) ist Facebook-süchtig, so die spannende dramaturgische Konstruktion. Ein Foto davon habe ich natürlich gleich in Echtzeit auf Facebook gepostet. Auch hier wird zum Mitmachen aufgefordert. Aber zu den Nutzungsbedingungen von Facebook gab es keine Fragen, denn kaum einer aus dem Publikum hatte sie gelesen. Nach dem Stück habe ich mir auch vorgenommen, die AGBs zu lesen. Das kommt auf eine der to-do-Listen, die ich mir nach Oliver Gassners Session zum Selbst-Management beim Barcamp seit neustem anlege.

Eine Frage bleibt: Wie würde wohl ein Twitter-Stück aussehen? Aber ich kann ganz beruhigt sein: Nach Paulo Coelhos Diktum ist twittern ja bekanntlich auch so schon Kunst. (cf)